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Der Weg ist jedes Mal derselbe, doch kam er mir nicht immer gleich lang vor. Vorbei am Portier,
der in seinem blauen Hemd hinter einer Glasscheibe sitzt und meistens ziemlich beschäftigt wirkt,
neben den liebevoll, zur Herbstzeit mit Kürbis geschmückten Blumenbeet in Richtung "violetter
Lift". Vorher noch schnell einen Stock tiefer, wo das feine Gipfeli und Schoggistengeli in der
Cafeteria wartet. Die Treppe wieder hinaufgestiegen und etwas weiter gelaufen, gelange ich gleich
linksrum zum Transfusionslabor. Zuerst an der Türe
angeklopft trete ich ein, um mich anzumelden. Meist haben die lieben Leute dort
viel zu tun und sie bitten mich, noch schnell draussen zu warten, bevor sie mir Blut abzapfen und die
Röhrchen ins Labor zur Untersuchung bringen können. Etliche Tropfen Blut muss ich schon dort
gelassen haben. Diese Vampire. Doch es muss ja so sein. Man will ja schliesslich wissen, was die
Blutzellen so treiben.
Wieder vor der Türe Platz genommen, mache ich mir einen Spass daraus, die vorbeilaufenden Leute zu
beobachten. Da ist eine Frau, die ein Tablett mit vollen Kaffetassen balanciert. Der Kurier, der ganz
lässig auf seinem kleinen, witzigen Fahrrad herumdüst und nicht zu vergessen, die vielen, in weiss
Gekleideten, die sich in diesen Gängen auskennen, wie in der eigenen Hosentasche.
Dann werde ich auch schon wieder hinein gebeten, um mich von einem Arzt durchecken
zu lassen. Etwas am Bauch rumdrücken, die Mundschleimhaut kontrollieren, Lunge abhören und
so weiter. Sind dann auch noch die Blutwerte in Ordnung, darf ich wieder gehen.
Doch nicht immer läuft alles so glatt. Geschwächt von der ganzen Prozedur (Chemos und Bestrahlung)
konnte ich den Weg vom Mann im blauen Hemd bis zur Transfusionsmedizin nicht immer zu Fuss gehen. Wegen
Nebenwirkungen eines Medikamentes schmerzten mir meine Fusssohlen und ich war froh, dass mir ein
Rollstuhl organisiert wurde. (An dieser Stelle: "Merci, Herr Portier!"). Zu Beginn erschien mir der
Weg unendlich, doch von Mal zu Mal konnte ich besser gehen, wenn auch nur langsam. Einfach einen
Schritt nach dem anderen. Es braucht unendlich viel Geduld und Kraft. Wenn man wochenlang ans Bett
gefesselt ist, kann man nicht gleich wieder auf Bäume klettern. Eine kleine Treppe kann man nur mit
Mühe erklimmen und ein Spaziergang liegt schon gar nicht drin.
Anfangs fast täglich, muss ich jetzt nur noch jährlich zur Kontrolle gehen. Ein
sehr schönes Gefühl,zu gesunden. Es geht wieder aufwärts und man versteht, was man
geschafft hat und zu was man auch fähig ist. Auch wenn es zuerst gar nicht begreiflich ist
und es gar nicht wahrhaben will. Dank eines wildfremden Menschen, der sich irgendwo auf der Welt
ins Knochenmarkregister eintragen liess, darf ich immer noch da sein. Und dessen bin ich mir
bewusster denn je.
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